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Jakob Philipp Hackert: Unwetter im Hafen von Livorno


Jakob Philipp Hackert (Prenzlau 1737 - San Piero di Careggi b. Florenz 1807)

Unwetter im Hafen von Livorno


Lot-Nr. 344 | Erlös: 24.800,00 €

Öl/Holz, 27,5 x 41 cm, r. u. sign. u. bez. J. P. Hackert f Vue du Port de Livorno sowie undeutlich dat. wohl 1778, min. rest. - Gutachten: Claudia Nordhoff, Juli 2014. - Dieses Gemälde stellt eine interessante Neuentdeckung im Oeuvre Hackerts dar. Es entstand im Zusammenhang mit einer Serie von vier Darstellungen des Hafens von Livorno, die der Künstler anlässlich eines Besuchs in Florenz 1779 auf der Rückreise von der Schweiz nach Rom schuf, als er auch von Großherzog Peter Leopold, dem späteren Kaiser Leopold II., empfangen wurde. Dieses Aufeinandertreffen ist von Goethe beschrieben worden. Die Bilderfolge befand sich einst geschlossen in den Gemächern der Zarin Maria Feodorowna in Schloss Pavlovsk bei St. Petersburg. Ein Gemälde aus dieser Serie gelangte 1979 in den deutschen Kunsthandel, ein weiteres befand sich lange Zeit in der Sammlung Georg Schäfer in Schweinfurt. Livorno war seit der Eingliederung in das Florentiner Territorium im frühen 15. Jahrhundert nach Pisa die bedeutendste Hafenstadt der Toskana. Das auslaufende Schlachtschiff im Hintergrund ist mit dem russischen St. Andreaskreuz beflaggt. H. erinnert hier wohl an den Aufenthalt der russischen Flotte in Livorno unter Admiral Graf Orlov im Jahr 1771 nach der Seeschlacht bei Chesme, der bereits damals zu einem wichtigen Auftrag für Hackert geführt hatte. - H. war der bedeutendste deutsche Landschaftsmaler des 18. Jhs. u. ein Hauptmeister des europäischen Klassizismus. Nach erster Ausbildung bei seinem Vater Philipp H. studierte er ab 1758 an der Berliner Akademie u. erhielt bald erste Aufträge. In Begleitung von B. A. Dunker reiste er 1765 nach Paris, wo die Werken C. J. Vernets bleibenden Eindruck auf ihn machten. In diese Zeit fiel der Beginn der Zusammenarbeit mit Hackerts Bruder Johann Gottfried. Drei Jahre später ging H. nach Italien, wo er sich als einer der führenden Landschaftsmaler Europas etablierte. 1786 wurde er Hofmaler des Königs Ferdinand IV. von Neapel. Goethe, der im selben Jahr in Neapel war, erhielt von H. Zeichenunterricht. H. ließ sich 1803 in der Nähe von Florenz nieder. Seine gleichzeitig heroischen u. topographisch genauen Landschaften führen die Malerei des Klassizismus auf einen Höhepunkt. - Mus.: Berlin (Nat.-Gal., Kupferstichkabinett), St. Petersburg (Peterhof), Neapel (Capodimonte), Rom (Nat.-Gal.), Hamburg (Kunsthalle), Dresden, Frankfurt/M., Weimar, Zürich, Glasgow u.a. - Lit.: Boetticher, Thieme-Becker, Bénézit, Nordhoff/Reimer 'J.P.H. 1737-1807. Verz. seiner Werke' (1994) u.a.

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