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Die Mutter der Künstlerin, Meta Laserstein vor Häusern

Lotte Laserstein (Preußisch Holland/Königsberg 1898 - Kalmar/Schweden 1993)


Die Mutter der Künstlerin, Meta Laserstein vor Häusern

Lot-Nr. 8

Aufrufpreis: 50.000 €


Um 1921. Öl/Stofftuch. 55,5 x 44,5 cm. Etw. rest., randdoubl. Ihren bereits in den frühen 1920er Jahren geäußerten Wunsch 'einmal malen zu können wie Leibl' beginnt Laserstein schon in diesem Portrait ihrer Mutter ins Werk zu setzen. Das gedeckte Kolorit und die blockhaften Farbflächen verdankte sie aber nicht nur Leibl, sondern auch ihrem frühen Lehrer Leo von König, bei dem sie Unterricht nahm, noch bevor sie an der Akademie zugelassen wurde. Seine Spezialisierung auf Bildnisse kam ihrem Talent entgegen und er vermittelte ihr auch, das Gesicht und die Hände als die aussagestärksten Teile des Portraits zu behandeln. Die förmliche und flächig ausgeführte schwarze Kleidung bildet hierfür den wirkungsvollsten Kontrast. Das in differenzierten Farbflächen bewegt und lebendig gestaltete Gesicht wird von einer frei behandelten, farbintensiven und aureolenartigen Frisur umfangen. Sie bildet den Übergang zum formal völlig anderen Hintergrund. Auf der Höhe der Zeit des deutschen Expressionismus gestaltet Laserstein mit dynamischem Pinselstrich die Stadtlandschaft aus in einer Reihe aufsteigender Linien; die Experimentierfreude der jungen Laserstein führt zu einem Werk von singulärer Stellung im Oeuvre der Künstlerin. Formal und farblich entsteht ein wirkungsvoller Kontrast zwischen städtischer Umwelt und der Dargestellten, der durch die fensterlosen und dadurch abstrahierten Wohnhäuser zusammen mit dem unbelaubten Baum und den bewegten Wolken verstärkt wird. Die Art und Weise, wie die Gebäude den Kopf der Mutter umfangen macht deutlich, wie sehr sie trotzdem Teil dieser Welt ist. Die Mutter lebt nicht im Konflikt. Sie bildet förmlich den strahlenden Mittelpunkt und mit ihren aufeinandergelegten Händen und dem sinnend gesenkten Blick zugleich den Ruhepol dieses intimen Kosmos. - Gutachten: Authentifizierung: Anna-Carola Krausse, Berlin Dezember 2023 - Provenienz: Aus dem Erbe der Künstlerin direkt an den Einlieferer. - Deutsch-schwedische Portrait-, Figuren- und Landschaftsmalerin. An der Malschule ihrer Tante Elsa Birnbaum in Danzig erhielt sie ersten Malunterricht. Sie studierte dann 1921-1927 an den Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin bei E. Wolfsfeld; erst 1919 waren Frauen als Studentinnen an Kunstakademien zugelassen worden. L. etablierte sich in Berlin als Portraitmalerin, sah sich aber in der Ausübung Ihres Berufes direkt nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erheblichen Einschränkungen ausgesetzt. Portraitaufträge blieben zusehends aus, was sie durch privaten Malerunterricht zu kompensieren versuchte. Ihre Malschule mußte sie 1935 schließen und traf 1937 die lebensrettende Entscheidung, nach Schweden zu emigrieren. Dort war sie bis an ihr Lebensende künstlerisch tätig, vor allem als gefragte Portraitmalerin. 1987 wurde sie in London erstmals und danach wiederholt auch in Deutschland und Schweden mit Retrospektiven geehrt. - Mus.: Berlin (Nat.-Gal.) u.a. Lit.: Vollmer, A.-C. Krausse: L. L., Leben und Werk, WVZ, 2006.

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Lotte Laserstein: Die Mutter der Künstlerin, Meta Laserstein vor Häusern


Lotte Laserstein (Preußisch Holland/Königsberg 1898 - Kalmar/Schweden 1993)

Die Mutter der Künstlerin, Meta Laserstein vor Häusern

Lot-Nr. 8

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Um 1921. Öl/Stofftuch. 55,5 x 44,5 cm. Etw. rest., randdoubl. Ihren bereits in den frühen 1920er Jahren geäußerten Wunsch 'einmal malen zu können wie Leibl' beginnt Laserstein schon in diesem Portrait ihrer Mutter ins Werk zu setzen. Das gedeckte Kolorit und die blockhaften Farbflächen verdankte sie aber nicht nur Leibl, sondern auch ihrem frühen Lehrer Leo von König, bei dem sie Unterricht nahm, noch bevor sie an der Akademie zugelassen wurde. Seine Spezialisierung auf Bildnisse kam ihrem Talent entgegen und er vermittelte ihr auch, das Gesicht und die Hände als die aussagestärksten Teile des Portraits zu behandeln. Die förmliche und flächig ausgeführte schwarze Kleidung bildet hierfür den wirkungsvollsten Kontrast. Das in differenzierten Farbflächen bewegt und lebendig gestaltete Gesicht wird von einer frei behandelten, farbintensiven und aureolenartigen Frisur umfangen. Sie bildet den Übergang zum formal völlig anderen Hintergrund. Auf der Höhe der Zeit des deutschen Expressionismus gestaltet Laserstein mit dynamischem Pinselstrich die Stadtlandschaft aus in einer Reihe aufsteigender Linien; die Experimentierfreude der jungen Laserstein führt zu einem Werk von singulärer Stellung im Oeuvre der Künstlerin. Formal und farblich entsteht ein wirkungsvoller Kontrast zwischen städtischer Umwelt und der Dargestellten, der durch die fensterlosen und dadurch abstrahierten Wohnhäuser zusammen mit dem unbelaubten Baum und den bewegten Wolken verstärkt wird. Die Art und Weise, wie die Gebäude den Kopf der Mutter umfangen macht deutlich, wie sehr sie trotzdem Teil dieser Welt ist. Die Mutter lebt nicht im Konflikt. Sie bildet förmlich den strahlenden Mittelpunkt und mit ihren aufeinandergelegten Händen und dem sinnend gesenkten Blick zugleich den Ruhepol dieses intimen Kosmos. - Gutachten: Authentifizierung: Anna-Carola Krausse, Berlin Dezember 2023 - Provenienz: Aus dem Erbe der Künstlerin direkt an den Einlieferer. - Deutsch-schwedische Portrait-, Figuren- und Landschaftsmalerin. An der Malschule ihrer Tante Elsa Birnbaum in Danzig erhielt sie ersten Malunterricht. Sie studierte dann 1921-1927 an den Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin bei E. Wolfsfeld; erst 1919 waren Frauen als Studentinnen an Kunstakademien zugelassen worden. L. etablierte sich in Berlin als Portraitmalerin, sah sich aber in der Ausübung Ihres Berufes direkt nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erheblichen Einschränkungen ausgesetzt. Portraitaufträge blieben zusehends aus, was sie durch privaten Malerunterricht zu kompensieren versuchte. Ihre Malschule mußte sie 1935 schließen und traf 1937 die lebensrettende Entscheidung, nach Schweden zu emigrieren. Dort war sie bis an ihr Lebensende künstlerisch tätig, vor allem als gefragte Portraitmalerin. 1987 wurde sie in London erstmals und danach wiederholt auch in Deutschland und Schweden mit Retrospektiven geehrt. - Mus.: Berlin (Nat.-Gal.) u.a. Lit.: Vollmer, A.-C. Krausse: L. L., Leben und Werk, WVZ, 2006.

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